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Die Reise zum nördlichsten Punkt Europas

Was ist der Mensch ohne Herausforderungen und Ziele? Das fragte sich zumindest diese mutige Reisegruppe, als sie sich im August vornahm, 6000 Kilometer mit einem fahrenden Haus zu leisten. Das Motto war: „Die Reise zum nördlichsten Punkt Europas“ oder „Eine Garage voller Bier“.

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Das Ziel hieß „Nordkapp“ und es sollte ein Wettrennen mit der Zeit werden. Die Quoten, ob der Weg in der dieser Zeit zu bewältigen wäre, standen schlecht. Um genau zu sagen, hätte ich bei einer solchen Wette mit misstrauischen Menschen reich werden können, wenn ich richtig getippt hätte. Ich zweifelte aber auch leicht, als eine sympathische, stark motivierte Wohnmobilfachfrau die Einweisung gab. Das fahrende Haus hatte seine Tücken. Man konnte aber die Grundprinzipien nach 40 Minuten verstanden haben – es ist ja kein Airbus. Frisch motiviert holten die ehrgeizigen Piloten den Zeitplan grob wieder rein und es ging zunächst Richtung Dänemark.

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Die Improvisationsfähigkeiten wurden zum Früstück auf die Probe gestellt. Das sofort patentierte und uns später einmal reich-machende „Pfannenbrötchen“ wird sicher ein Verkaufsschlager werden. Der Übergang von Dänemark nach Schweden, der sich 108,- €-teuere Öresundbrücke nennt, war für mich der erste faszinierende Blick.

Todesmutig kampierte die Reisegruppe an einer Autobahnraststätte, da diese nun mal auf dem Weg lag und sich erste Erschöpfungserscheinungen, nach 9 Stunden Fahrt, breit machten. Tipp! Soll man nicht machen, da es ähnlich viele Gerüchte um Gas-Attacken auf Camper, wie Bierdosen in unserem Kofferraum gab.
Die zum späteren Zeitpunkt einsetzende Erholung sollte zunächst verdient werden, weswegen die Reisegruppe erstmal Kilometer machte. Bis Stockholm könnte man tatsächlich auf den Gedanken kommen, dass es sich bei Schweden um ein bevölkertes Land handeln könnte. Je mehr wir allerdings in das sogenannte Land der Lappen vordrangen, desto mehr bekam man den Eindruck allein auf diesem Planeten zu sein. Ich machte mir gerade ernsthafte Gedanken darüber, warum es sprichwörtlich einen „alten Finnen“ und einen „alten Schweden“ aber keinen „alten Dänen“ geben durfte, als mich die ersten Rentiere am Straßenrand aus den Gedanken rissen. Die Tiere ließen sich allerdings nicht aus der Ruhe bringen.

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Flexibilität hat seinen Charme, man kann einfach stehen bleiben wenn man die Umgebung attraktiv findet. So blieben wir in Schweden einen Tag hängen.

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Das fahrende Haus hatte verschiedene Annehmlichkeiten zu bieten, die man natürlich nur während der Fahrt, im Stand, genoss. Aber das allgemein gültige Konzept von Ursache und Wirkung bedingt, dass alles was oben reinkommt, auch wieder unten rauskommt, was diverse unangenehme Tätigkeiten nach sich zieht. Tipp: Bei chemischen Toiletten niemals die chemischen Zusätze vergessen, nur mal so.

Die Route ging über Stockholm entlang der Ostseeküste bis Lulea. Ich hatte meine warmen Pullover und Winterjacke dabei. Schließlich waren wir Richtung Nordpol unterwegs.Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich für die gesamte Reise eher kurze Hosen hätten gebrauchen können.

Wir bogen Richtung Finnland ab um unser nächstes Zwischenziel in den Fokus zu nehmen. Wir wollten niemand geringeren als den Weihnachtsmann aufsuchen, um zu gucken was dieser denn im Sommer so macht. Eins vorweg… er ist auch iPhone-süchtig. Wir fuhren also zum Weihnachtsdorf genau eine Abfahrt zu früh ab und standen vor dem – noch nicht fertigen – SANTA PARK! Leicht geschockt wendete ich und wollte schon fluchten, als wir in Sichtweite des Weihnachtsdorfes kamen. Die Titelmelodie von Polar-Express war sofort in meinem Kopf… Ich stellte mir vor auf den großen Platz beim Weihnachtsmann vorzufahren und sofort von 4000 Elfen jubelnd in Empfang genommen zu werden.

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Dann… Ernüchterung. Fellmützen für 40€ und ein Foto mit dem iPhonesüchtigen Weihnachtsmann für 25€, dessen rhetorische Fähigkeiten mich in so fern begeisterten, als er dass er uns mit unseren Vornamen angesprochen hat. Er hatte uns scheinbar bereits aus der Ferne zugehört. Eingeschneit hätte das ganze natürlich mehr Atmosphäre gehabt. Es wich sehr schnell der Erkenntnis, an welchem Ort wir uns nun befanden. Wir waren am Polarkreis! Mal abgesehen davon, dass ich mir das ganze irgendwie eisiger und mit mehr Elfen vorgestellt hatte, würden wir nun immer weniger dunkle Nächte erleben.

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Es ging durch menschenleere stark bewaldete Regionen. Was mich verwunderte war die Tatsache, dass es mehr Mobilfunkmasten als Einwohner gab. Kurz überlegt, wie der Weihnachtsmann wohl mit einem Ersatzrentier Kontakt aufnehmen würde und ob er das über SMS oder Whatsapp tun würde, ließen mich vermuten, dass ab nun das Steuer wie in den letzten Tagen halbzeitig abgeben sollte.

Finnland hatte ich, aufgrund der Landschaften, besonders in mein Herz geschlossen. Schöner konnte Natur kaum sein.

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Wir entspannten und fuhren, entspannten und fahren. Das größte für mich war unser Grill. Dieser hatte einen eingebauten Föhn, der von unten die Kohle anpustete. Großartig!

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Schließlich standen wir nach mindestens einem Unterseetunnel und ca. 3300 Kilometern vor einer Schranke. Hinter der Schranke: Das Nordkapp, dass man allerdings nur sehen durfte, nachdem man einen 125,- € teuren Parkschein gezogen hatte. Ein wenig vergewaltigt, kam die Reisegruppe bei 20 Grad und Sonnenschein am Nordkapp an und genoss die Weite. Der Horizont, diese unendliche Weite. Atemberaubend!

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Immerhin, für 125€ darf man eine Nacht auf dem Parkplatz bleiben. Als wir sahen, dass die ca. 40 Busse den Platz verließen störten auch die 15 Wohnmobile auch nicht mehr. Hier kann man das Wohnmobil geschickt in Richtung theoretischen Sonnenuntergang parken um von den restlichen Besuchern nicht mehr viel zu sehen. Die Stille, der Ausblick und einfach das Gefühl am nördlichsten Punkt Europas zu sein, entschädigten sogar die Preise der Lebensmittel die man hätte hier kaufen können. Glücklicherweise, war unter Kofferraum riesig und prall gefüllt. Im Nachhinein – Vielleicht hätte ich das 10€-teure Bier probieren sollen. Vielleicht hätten sich meine Gemacksnerven zu neuen Sphären der Geschmackswahrnehmung geführt. Vielleicht hätte ich hierdurch die Antwort auf die große Frage über das Universum, den Sinn und einfach ALLES erfahren – …aber ich schweife ab…

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Das Nordkapp war spektakulär, aber nicht so spektakulär, dass man mehr als einen Tag bleiben wollen würde. Es war mehr ein anlecken des Ortes. Yeah, ich war da! Haken dran, egal wie schön es war. Wir fuhren weiter und kampierten 2 Tage an einem Fjord. Hier fanden wir das Arctic Fjord Camp. Ich wollte gern im arktischen Meer baden. 10 Grad hören sich nicht kalt an, sind es aber. Ein weiblicher Part der Gruppe und ich waren ein paar Sekunden drin, bis wir feststellten, dass das irgendwie sogar schmerzhaft ist.

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Zu den Annehmlichkeiten der Gastfreundschaft gehörte hier auch ein Boot, mit dem man motorisiert raus in den Fjord fahren durfte. Nachdem die Reisegruppe 20 Minuten versuchte das Gerät Richtung Meer zu bewegen gelang es uns schließlich. Trotzdem sich meine Begeisterung für Boote ja grundsätzlich stark in Grenzen hält, gelang es mir tatsächlich zu entspannen und die restlichen Abendteurer zu beobachten. Geangelt wurde und sogar etwas gefangen. Wenn auch Korallen nicht so gut schmecken… Gefangen und wieder frei gelassen zählt!

Es war cool, sich gerade in eine Dusche zu stellen und sich zumindest etwas im Bad bewegen zu können. Platzangst oder Angst vor seinen Freunden sollte man in einem Wohnmobil nicht haben und die auf Stell- und Campingplätzen existierenden Duschen konnte man ja auch in Anspruch nehmen.

Wir blieben 2 Tage. Wir hatten nun etwas Zeit und erarbeiteten einen Plan. Wir wollten noch ein paar Fjorde sehen und dann wieder viel auf dem Rückweg fahren, um uns noch ein paar Tage an einem dänischen Strand zu erarbeiten. Die arroganten Rentiere, die wussten wie niedlich sie waren, ließen sich durch nichts stören und posierten in meiner Fantasie sogar.

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Wir fuhren mitten durch Schweden wieder zurück. Gefühlt spart man hier deutlich Zeit, weil die Route sehr arm an Bevölkerung ist. Ja selbst an den Tankstellen arbeiten nur Computer die uns frecherweise immer nur 30% des Tanks mit einem Schwung füllen ließen.

Ich kenne nicht besonders viele Strände in Dänemark, aber der Börmose-Strand muss einer der schöneren Strände sein.

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Das Campingplatz war sehr gut gelegen. Man lief nur über eine Düne und war am Strand. Wir verbrachten die letzten 2 Tage hier bevor wir den letzten Weg zurück antraten. Die freien Straßen sollten der Vergangenheit angehören, nachdem wir über die Grenze fuhren. 7000 Kilometer später waren wir wieder in der Heimat und können diesen „anderen“ Urlaub sehr empfehlen.

 

 

 

 

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